Chancen und Risiken der Digitalisierung
Eine Reise in die digitale Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und Familien

Im Konferenzraum des Caritasverbandes Kleve e.V. fanden sich die Beraterinnen und Berater der Erziehungsberatungsstellen zusammen. Dort referierte Diplom-Sozialpädagoge Rüdiger Dreier über die digitale Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und Familien.

Rüdiger Dreier hat zwei Töchter und ist einer der wenigen Papa-Blogger Deutschlands. Er ist als Stabsstelle für Digitalisierung beim Caritasverband für die Stadt Münster tätig. Nicht selten kommt es aufgrund von Digitalisierung im Alltag immer wieder zu Problemen innerhalb und außerhalb der Familien. Das erleben die Caritas-Erziehungsberater immer häufiger. Aus diesem Grund organisierte das Klever Team diesen Tag, an dem auch Berater des Caritasverbandes Geldern e.V. teilnahmen.

Als Auftakt machte Dreier mit den Teilnehmern eine digitale Umfrage, bei der die Fragen einen direkten Bezug zum Thema Digitalisierung hatten, wie zum Beispiel: „Wie positiv bewerten Sie soziale Medien? Welche digitalen Geräte besitzen Sie? Was machen Sie alles im Internet?“ Die Antworten der Umfragen waren vielfältig, allerdings waren technische Gegenstände wie das Smartphone, der Laptop, das Tablet oder der Fernseher bei allen ganz weit vorne. Danach nahm Rüdiger Dreier die Teilnehmer mit auf eine digitale Reise, angefangen bei der Erfindung des World-Wide-Webs im Jahre 1989. „Die analoge Lebenswelt schmilzt“, betonte der frühere Industriemechaniker. Ab diesem Zeitpunkt ist bis heute fast jede Generation digital geworden. Man kann nun von digitalen Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen, Eltern und Großeltern sprechen. Doch was ganz wichtig ist: „Digitale Medien können unsere Sinne nicht ersetzen“, sagte Dreier weiter. Angebote wie Sprachassistenten sorgen für Bewunderung und Erleichterung unter Erwachsenen und sogar unter Kindern. „Für Kinder sind Sprachassistenten ein Zwischending zwischen Tier und Mensch“, erklärte der Papa-Blogger und betonte dabei, dass digitale Medien kinderleicht sind.

Für Dreier hat das Erlernen von Fähigkeiten der Kinder wie zum Beispiel sensomotorische Fähigkeiten sowie die Fähigkeit zur kritischen Reflexion oder die Produktivitätsfähigkeit oberste Priorität und sollte vor Nutzung der Medien erlernt sein. Außerdem wies Dreier darauf hin, dass es ratsam sei, dass Kinder in den ersten drei Lebensjahren ohne digitale Medien aufwachsen.

Auch personalisierte Werbung sei ein Problem. Bei plötzlich einfliegender Werbung mit anzüglichen Inhalten oder Werbung für brutale Spiele sehen auch Kinder schnell Inhalte, die nicht für sie gedacht sind. Jedoch lässt Dreier auch die positiven Aspekte nicht aus, denn mithilfe des Internets könne man auch die persönliche Kreativität fördern. „Auf einfache Art und Weise kann man anhand von Tutorials viele neue Dinge ausprobieren“, bemerkte Dreier. Weiterhin nannte er Beispiele für Kinder-Suchmaschinen wie „www.blinde-kuh.de“ oder „www.fragFinn.de“. Die Frage: „Wie lange tut mir gut?“ ist wohl die am häufigsten gestellte Frage, die im Hinblick auf das Thema Medien relevant ist. Auch Eltern sollten für ihre Kinder eine Bildschirmzeit absprechen und überlegen, was gute und schlechte Bildschirmzeiten sind. „Es kommt auf die richtige Dosierung an. Das muss man mit seinen Kindern herausfin-den“, erklärte Dreier weiter.

Weiterhin spielen Influencer und deren Videos eine wesentliche Rolle. Von Schmink-Tipps zu Lets-Play-Videos ist alles dabei. Sie sind für Kinder einfach greifbar und können zu innerlichen Schäden wie Aggressionsstörungen führen, da Kinder meistens noch nicht zwischen virtuellen und realen Dingen unterscheiden können. Um dies zu verhindern, sei der Blick der Eltern unerlässlich. Alles im Leben der Influencer scheint perfekt zu sein. Die Instagram-Bilder dieser Vorbilder sind immer perfekt und dies führt gerade in der Selbstfindungsphase der Pubertät zu Selbstbewusstseinsstörun-gen oder Trauer, da sich die Jugendlichen in ihren Körpern unwohl fühlen könnten. Ihnen wird ein Schönheitsideal nahegelegt, wel-ches nicht der Realität entspricht.

Auch das Thema „Mobbing“ nimmt innerhalb der Sozialen Medien immer mehr zu. Statistiken belegen, dass in Schulen drei bis fünf Kinder pro Schulklasse betroffen sind. Weitere Probleme in den digitalen Medien bringt die Kontaktaufnahme zwischen Erwachsenen und Minderjährigen mit Missbrauchsabsichten mit sich. „Daher sollten Eltern immer achtsam sein, welche Apps und Websites ihre Kin-der nutzen bzw. für sie zugänglich sind. Außerdem sollten sie ihren Kindern stets bewusst machen, dass es für sie immer einen Ansprechpartner gibt, der für sie da ist“, resümierte Rüdiger Dreier, der mit seinem lebendigen Vortrag den Caritas-Beratern einen tiefgründigen Einblick in die Welt der Digitalisierung geboten hat.

Autor:

Verena Rohde aus Kleve

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