"Premieren-Spielzeit" im Theater an der Ruhr
Außergewöhnlich und offensiv

Das gesamte Team des Theaters an der Ruhr geht in die Offensive, stellt sich den Herausforderungen der Zeit und bringt außergewöhnliche Inszenierungen in einer außergewöhnlichen Zeit auf die Bühne.
Foto: PR-Foto Köhring
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  • Das gesamte Team des Theaters an der Ruhr geht in die Offensive, stellt sich den Herausforderungen der Zeit und bringt außergewöhnliche Inszenierungen in einer außergewöhnlichen Zeit auf die Bühne.
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„Vieles ist anders, eigentlich ist nichts mehr so wie es vor Corona war.“ Sven Schlötcke, Geschäftsführer im Theater an der Ruhr, geht bei der inhaltlichen Vorstellung der neuen Spielzeit auf die Veränderungen ein, die das gesamte Ensemble vor große Herausforderungen gestellt, aber auch einen neuen Kreativitätsschub hervorgebracht hat.

Anfang September beginnt die neue Spielzeit. Spannung, Hoffnung und sogar ein Hauch von „innerem Nervenkitzel“ machen sich breit. Die Umsetzung der Corona-Schutzverordnungen ist auf den Weg gebracht, das Sicherheitskonzept steht, für jede einzelne Inszenierung „maßgeschneidert“. Die Vorfreude auf die neue, an Premieren reich gespickte Spielzeit, ist groß, bei den Theatermachern, aber auch und gerade beim Publikum. Helmut Schäfer, Dramaturg und einer der künstlerischen Leiter, bringt es auf den Punkt: „Die Leute haben Angst vor Corona, aber Lust auf Theater.“

Alle Stücke und Inszenierungen tragen dem Rechnung. Es gibt keine Repertoire-Stücke, denn Abstandsregeln gelten sowohl im Zuschauerraum als auch auf der Bühne. Schlötcke: „Wir hätten vieles uminszenieren müssen, Bühnenbilder würden zerstört und hätten nicht mehr zum Inhalt gepasst.“ TaR-Ikone Roberto Cuilli ergänzt: „Kontaktverbote sind eigentlich Theater-feindlich.“ Deshalb gibt es jetzt „Theater-freundliche“ Inszenierungen, die den Abstand mit Anstand berücksichtigen, aber Inhalte transportieren, die unter den Nägeln brennen. Die Theatermacher im Haus am Raffelbergpark verlassen die „digitalen Quarantäneräume“ der vergangenen Wochen und Monate, gehen in die Theateroffensive und starten mit einem außergewöhnlichen Spielplan, der auch in Coronazeiten Theater wieder zum Gemeinschaftserlebnis macht. Gleich sechs Premieren gibt es im September, eine davon sogar in doppelter Ausführung.

Das Stück der Stunde

Am Donnerstag, 3. September, 19.30 Uhr, und am Freitag, 4. September, 20 Uhr, öffnet sich der Vorhang für „Antigone – ein Requiem“ aus der Feder von Thomas Köck. Simone Thoma hat sich das Stück des zweifachen Mülheimer Dramatiker-Preisträgers auf ihre Regiefahnen geschrieben. Köck hat den antiken Familienkonflikt von Antigone, gespielt von Dagmar Geppert, und Kreon, verkörpert von Fabio Menéndez, in die Neuzeit geholt.„Es ist das Stück der Stück der Stunde“, sagt Simone Thoma. Darin begehren die Protagonisten gegen eine Welt auf, die sie selbst geschaffen haben. Ideologien werden festgemauert. Die Frage, wieviel Wahrheit ist den Menschen zumutbar, steht im Raum. Köcks „Rekomposition“ des antiken Stoffs von gestern ist im Heute der medialen Welt angekommen.

Eine Art „Rekomposition“ war und ist auch die Regiearbeit von Simone Thoma. Bereits Ende letzten Jahres stand fest, Köcks Stück auf die Mülheimer Bühne zu bringen. Thoma und das Schauspielerteam machten sich an die ersten Vorarbeiten. Neben Geppert und Menéndez wirken noch Gabriella Weber, Maria Neumann, Petra von der Beek, Albert Bork, Matthias Flake und Roberto Ciulli mit. Dann kam Corona. Per Videokonferenzen wurde weitergearbeitet. Für das Online-Programm des Theaters an der Ruhr entstanden daraus drei jeweils 40-miütige TV-Produktionen. Teile davon sind in die Inszenierung eingearbeitet. Seit Ende Juli wurde dann live auf der Bühne geprobt.

Audiowalk und Literatur-Trip

Die nächste Premiere gibt es am Sonntag, 6. September. Nicht im eigenen Haus, sondern in der neuen Vier.Zentrale an der Leineweberstraße 15. Mit „Die schmutzigen Hände“ von Jean-Paul Sartre liefert Regieassistent Tobias Stöttner seine erste eigene Regiearbeit ab. Sartres Text aus dem Jahr 1948 wirkt heute wie ein aktueller Polit-Thriller. Es geht um Idealismus, Pragmatismus, Prinzipien, Macht, Liebe, Eifersucht und Manipulation. Mit Kopfhörern ausgestattet, „überwacht“ das Publikum sowohl in der Vier-Zentrale als bei einem „Audiowalk draußen vor der Tür“ als „Abhörende“ das Geschehen. Nach der Premiere gibt es natürlich weitere jeweils einstündige „Abhör-Walk-Termine“.

Am Freitag, 11. September, 19.30 Uhr, steht mit „Voyage“ eine weitere Premiere auf dem Spielplan. Dabei handelt es sich um einen Trip durch Literatur und Zeit, geschrieben und inszeniert von Philipp Preuss. Das Stück feierte bereits in einer abgeänderten Fassung schon große Erfolge an der Berliner Schaubühne. Schauspieler Felix Römer nimmt auch in Mülheim das Publikum mit auf eine Reise durch Gebirge, Täler, Meere, Wüsten und vor allem Seelenlandschaften. Der Mensch geht und geht und geht und bleibt sich doch immer nur selbst auf den Fersen.

Neben weiteren Neuinszenierungen im September, „1984. A Review“ und „Judas“, gibt es am Samstag, 19. September, ab 18 Uhr, zudem ein „Wiedersehen im Raffelbergpark“. Dort können, als kleiner Ersatz für die wegen Corona ausgefallenen „Weißen Nächte“ voraussichtlich „zugelassene“ 200 Gäste einem musikalischen Picknick beiwohnen, ehe man dann gemeinsam auf die Pferderennbahn gegenüber geht. Von der Tribüne aus erleben die Besucher ab 21 Uhr die Vorstellung „Boat Memory/Das Zeugnis (UA) unter der Regie von Roberto Ciulli, erstmalig und einmalig, wie er betont.

INFO

Karten für alle Vorstellungen, auch für die in der Vier.Zentrale, können aufgrund der Corona-bedingt geänderten Platzkapazitäten nur telefonisch gebucht werden unter Tel. 0208 / 599 01 88.

Autor:

Reiner Terhorst aus Duisburg

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