Mülheimer Zwischenbilanz zum Ausbildungsmarkt will Mut machen
„Die Türen stehen weiter offen“

Auch in Mülheim gilt: Es gibt noch freie Ausbildungsplätze. Wirtschaft, Gewerkschaften und die Arbeitsagentur unternehmen gemeinsame Anstrengungen, diese den Jugendlichen "schmackhaft" zu machen.
Fotos: Agentur für Arbeit
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  • Auch in Mülheim gilt: Es gibt noch freie Ausbildungsplätze. Wirtschaft, Gewerkschaften und die Arbeitsagentur unternehmen gemeinsame Anstrengungen, diese den Jugendlichen "schmackhaft" zu machen.
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„Es bestehen gut Chancen, jetzt noch einen Ausbildungsplatz zu bekommen“, macht Christiane Artz, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Oberhausen/Mülheim jungen Menschen Mut.

Im Corona-Jahr 2020 ist vieles anders. Das trifft auch auf die Ausbildung zu. Eigentlich ziehen Arbeitsagentur, Jobcenter Mülheim, IHK, Kreishandwerkerschaft, Unternehmerverband und DGB zu diesem Zeitpunkt im Jahr eine gemeinsame finale Bilanz zum Ausbildungsmarkt. Diesmal könne es halt nur eine Zwischenbilanz sein, die zugleich verstärkte Anstrengungen in den kommenden Wochen zur Folge haben. So wird die Zwischenbianaz auch zum Startschuss.

„Im Ausbildungsjahr 2020 haben wir in unserer Stadt im Vergleich zum Vorjahr leider einen spürbaren Rückgang an Bewerberinnen und Bewerbern zu verzeichnen. Gut, dass Ausbildungsaufnahmen noch bis Januar 2021 möglich sind. Daher werden wir weiter unsere Aktivitäten darauf fokussieren, Jugendliche für die Ausbildung zu sensibilisieren“, betont Thomas Konietzka, Leiter des Jobcenters Mülheim an der Ruhr.

Neue digitale Formate

Weshalb es einen zusätzlichen Einbruch auf dem Ausbildungsmarkt gab, sei leicht zu erklären, meinen alle beteiligten Institutionen und Organisationen übereinstimmend. Corona lasse grüßen. Ab Mitte März waren Schulen geschlossen, Abschlussprüfungen wurden zeitlich geschoben, es konnten keine persönlichen Beratungsgespräche, keine Ausbildungsmessen und auch keine Auswahlverfahren in üblichem Rahmen stattfinden.

Mit der Entstehung neuer digitaler Formate und vermehrter Online-Kommunikation kam der Ausbildungsmarkt dann doch mit einer Verzögerung von etwa zwei Monaten in Gang. Somit wird 2020 eine deutlich größere Anzahl Jugendlicher zu einem späteren Zeitpunkt als sonst üblich eine duale Ausbildung beginnen. „Deshalb“, so ist Christiane Artz überzeugt, „kann sich jetzt im sogenannten 5. Quartal des Ausbildungsjahres noch eine Menge ergeben. Die Türen stehen weiter offen.“ Ausbildungsverträge können noch bis Ende Januar 2021 abgeschlossen werden.

Bis Ende September hatten sich 1.033 Jugendliche und junge Erwachsene bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Mülheim gemeldet, um bei der Suche nach dem passenden Ausbildungsplatz unterstützt zu werden. Das waren 218 Jugendliche weniger als im letzten Jahr. Ende September galten von diesen Bewerbern noch 97 als unversorgt, 32 mehr als im September 2019. In diesem Ausbildungsjahr konnte man bislang insgesamt 1.101 betriebliche Ausbildungsstellen „einwerben“, 147 weniger als im letzten Jahr. Ergänzt wurden diese von vier außerbetrieblichen Plätzen, so dass sich ein Gesamtangebot von 1.105 Ausbildungsstellen ergibt. Von diesen waren Ende September noch 67 unbesetzt, 69 weniger als im September 2019.

Gesellschaftliche Anerkennung

„Die Wirtschaft steht zur betrieblichen Ausbildung, trotz widriger Rahmenbedingungen. Es muss gelingen, mehr Jugendlichen eine Ausbildung schmackhaft zu machen“, stellt Franz Roggemann Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der IHK zu Essen, fest und geht damit auf den Rückgang Ausbildungsverträgen um knapp 20 Prozent ein. Betroffen sei insbesondere der Handel und das Hotel- und Gaststättengewerbe sowie der Metallbereich. Hier zeige sich sehr deutlich, „dass der Trend hin zu akademischen Bildungsangeboten leider ungebrochen ist. Wir brauchen wieder mehr gesellschaftliche Anerkennung für die betriebliche Ausbildung.“

Auch im Handwerk seien längst nicht alle zur Verfügung stehenden Ausbildungsplätze besetzt, ergänzt Barbara Yeboah, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft. Dass sich das Ausbildungsjahr weiter nach hinten verschiebt, sieht sie als Chance. Yeboah: „Wir können noch aufholen. Insgesamt ist der Fachkräftebedarf in den Betrieben nach wie vor hoch, das Interesse an Ausbildung ungebrochen.“ Man müsse jetzt weiter zur Tat schreiten.

Kampf ums Überleben

Elisabeth Schulte, Geschäftsführung des Unternehmerverbandes Ruhr-Niederrhein, wird konkret: Gesucht werden vor allem angehende Gebäudereiniger, Maurer, Elektroniker und Mechaniker.“ Dafür, dass relativ viele Unternehmen aufgrund der Pandemie, aber auch wegen umweltpolitscher Vorgaben und, wie sie sagt, „exorbitanter Energiekosten in Mülheim“, um ihr Überleben kämpfen, sei der Rückgang an Ausbildungsplätzen in ihrem Bereich mit knapp 12 Prozent noch relativ gering.

„Ich hoffe nicht, dass in der Bilanz am Ende des Ausbildungsjahres ein großer Teil von jungen Menschen nicht mit einem betrieblichen Ausbildungsplatz versorgt wurde“, so Dieter Hillebrand, Regionsgeschäftsführer des DGB. „Es muss alles daran gesetzt werden, dass wir nicht eine Generation der Ausbildungsverlierer bekommen.“ Er appelliert daher alle Beteiligten, jetzt „alle Hebel in Bewegung zu setzen.“

INFO

Jugendliche, die Kontakt zur Berufsberatung oder eine Berufsausbildungsstelle suchen, können sich unter der kostenfreien Telefonnummer 0208 8506 112 an die Agentur für Arbeit wenden und einen Beratungstermin vereinbaren. Weitergehende Informationen gibt es auch auf der Homepage: https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/oberhausen/content/1533717484238.
 
Unternehmen, die Unterstützung bei der Suche nach Auszubildenden wünschen, erreichen den Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur Mülheim unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 4 5555 20.

Autor:

Reiner Terhorst aus Duisburg

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