Dr. Helmut Richter ist nicht nur Schulleiter am Willy-Brandt-Berufskolleg
„Dann nahm er seine Gitarre“

Dr. Helmut Richter (sitzend) ist Schulleiter am Willy-Brandt-Berufskolleg. Auch bei Gitarrenfreaks in der ganzen Welt hat sein Name einen guten Klang. Auf dem Foto freut er sich mit seinen Schülern und dem Kollegium über zahlreiche „Schulauszeichnungen“ im vergangenen Jahr. Mehr auf Seite 3.
Foto: Dominik Asbach
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  • Dr. Helmut Richter (sitzend) ist Schulleiter am Willy-Brandt-Berufskolleg. Auch bei Gitarrenfreaks in der ganzen Welt hat sein Name einen guten Klang. Auf dem Foto freut er sich mit seinen Schülern und dem Kollegium über zahlreiche „Schulauszeichnungen“ im vergangenen Jahr. Mehr auf Seite 3.
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Im Volksmund heißt es oft: „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.“ Dr. Helmut Richter, Schulleiter am Willy-Brandt-Berufskolleg in Rheinhausen, lächelt. „Ja, da ist was dran“, sagt er aus eigener Erfahrung, denn dass er eines Tages Akzente in der Schullandschaft in ganz Duisburg und der Region, aber auch als „Gitarrenlehrer für die ganze Welt“ setzen würde, hatte niemand auf dem Schirm. Er selbst auch nicht.

Auf Richter scheint auch eine weitere Volksweisheit zuzutreffen: „Aller Anfang ist schwer.“ 1971 „baute“ er seinen Realschulabschluss. Jetzt lacht er im Gespräch mit dem Wochen-Anzeiger laut: „Als Klassenletzter, mit der schon traditionellen Note mangelhaft in Mathe.“ Wenn man ihm damals prophezeit hätte, dass er mal Autor von zehn erfolgreichen Mathematikbüchern sein würde, hätte sein Mathematiklehrer vermutlich Lachkrämpfe bekommen.

Der Einzige
im Blaumann

Der Realschulabsolvent Helmut Richter trat zunächst eine Ausbildung zum Maschinenschlosser an an. „Ich war der einzige aus meiner Klasse im Blaumann“, erinnert er sich, „aber mein Ausbilder und mein Berufsschullehrer haben mir Mut gemacht.“ Und der Jugendliche hat gezeigt, was in ihm steckt. Nach einer Lehrzeitverkürzung um satte eineinhalb Jahre schloss er die Ausbildung mit der Bestnote ab.

Dann ging alles „wie am Schnürchen“. Er arbeitete als Facharbeiter, erlangte parallel dazu die Fachhochschulreife und schließlich die allgemeine Hochschule, und die sogar mit dem Leistungskurs Mathematik. „So ganz nebenbei“ brachte er sich selbst das Gitarrenspiel bei. Als Gitarrenlehrer sorgte er neben Schule und Studium schon früh für eine eigenständige Lebensfinanzierung.

Das gleichzeitige Lernen und Lehren war typisch für ihn. An der Universität Duisburg studierte er bei Professor Gernot Bor, dem späteren Uni-Rektor, Physik, und bei Professor Bader „Didaktik Maschinenbau“. Beide haben ihn schon damals zur späteren Promotion animiert. Zugleich war er „Gitarren-Student“ am Robert-Schumann-Institut in Düsseldorf und Meisterschüler bei dem in der ganzen Welt anerkannten Konzertgitarristen Prof. Siegfried Behrend. Das Erlernte gab Helmut Richter natürlich auch an seine eigenen Gitarrenschüler weiter.

"Spätzünder"
mit Bestnoten

Beide Studien hat er, wie von dem erfolgreichen „Spätzünder“ nicht anders zu erwarten, mit Bestnoten abgeschlossen. Weiterhin war er „beseelt“ davon, sein Wissen weiterzugeben. Nach dem Referendariat ging es dann hauptberuflich in den Schuldienst. 1985 wurde er zunächst Lehrer an der GHH-Werkberufsschule in Oberhausen, wo er selbst gelernt hatte. Nach deren Schließung führte der Weg des „Ruhrgebietskindes“ nach Mülheim an das dortige Berufskolleg. Schließlich übernahm Richter 2008 die Schulleitung am Willy-Brandt-Berufskolleg. „Zwischendurch“ promovierte er im Jahr 2001 zum Dr. phil. in Berufspädagogik.

Zahlreiche Fachbücher, die zu Standardwerken im Unterricht wurden, hat er geschrieben und seine Schülern zudem den Duft der weiten Welt atmen lassen. Klassenfahrten mit Wohnmobilen nach New York und Kalifornien sorgten für gelebte Erlebnis-Pädagogik. An „seiner“ Schule in Rheinhausen hat Richter viele Signale in die Zukunft gesetzt, Seine Idee, das Unterrichtsfach Glück einzuführen, hat bundesweit Schule gemacht. Zudem hat er mit seinem Kollegium ein Gesundheitskonzept für Schüler und Lehrer entwickelt und am Willy-Brandt-Berufskolleg den ersten Gesundheitsbeauftragten an deutschen Schulen installiert. All' diese Aktivitäten führten schließlich dazu, dass dass Rheinhauser Berufskolleg im vergangenen Jahr unter die „Top 15 Schulen“ Deutschlands gewählt wurde.

Und die Musik hat nie losgelassen. Neben Gitarrenlehrbüchern hat Helmut Richter mittlerweile 35 CD-Produktionen mit Gitarrenmusik aus vielen Epochen und Genres auf den Markt gebracht. Und nicht zuletzt hat er sich auch als Autor von Ruhrgebiets-Krimis einen Namen gemacht. In seinen „Nervenkitzlern“ ist übrigens eine Konzertgitarre der „Haupttäter“.

Ab August
im Ruhestand

Dass er alles so erfolgreich auf die Kette bekommen hat, liege auch an seiner Familie, sagt er. Seine Frau Gabriele, selbst Diplom-Ingenieurin und anerkannte Konzertgitarristin, teilt mit ihm viele Gemeinsamkeiten, unterstützt ihn, bringt eigene Ideen ein und hält ihm auch den Rücken frei. Die beiden inzwischen erwachsenen Töchter Dana und Alina gaben und geben weiteren Rückhalt mit einer gehörigen Portion Inspiration.

Wenn Dr. Helmut Richter am 1. August dieses Jahres nach exakt 50 arbeitsreichen Jahren in den Ruhestand versetzt wird, zieht er sicherlich nur eine „Art Zwischenbilanz“. Jetzt lacht er wieder laut: „Keiner einziger meiner Schüler ist in meiner Zeit als Klassenlehrer durch die Abschlussprüfung gefallen, Auch das lässt mich zufrieden aus dem Amt scheiden.“ Die letzten Monate am Willy-Brandt-Berufskolleg hätte er sich allerdings anders vorgestellt. „Es ist schon ein schwieriges Unterfangen, eine Schule durch die Pandemie zu manövrieren, wenn man am Freitag noch nicht weiß, ob und wie am darauffolgenden Montag gearbeitet werden soll.“

In seinem bevorstehenden dritten Lebensabschnitt wird Helmut Richter weiter Gitarren- und Fachbücher schreiben, den dritten Krimi vollenden und weitere CD-Produktionen auf den Weg bringen, Von ihm wird man noch eine Menge lesen und hören.

Autor:

Reiner Terhorst aus Duisburg

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