Werden an der Ruhr erlitt heftige Flutschäden in Millionenhöhe
Anwohner mussten evakuiert werden

An der Laupendahler Landstraße rückten Freiwillige Feuerwehr und DLRG mit Booten an, um  die Bewohner zu evakuieren. 
Foto: privat
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Nachdem das Hochwasser zurückgewichen ist, werden entlang der Ruhr die enormen Schäden der Überflutung offenbar. Böse getroffen hat es auch den Stadtteil Werden. Die Bevölkerung rückte zusammen und half sich gegenseitig. 

Die städtische Verwaltung gab erste Schätzungen des finanziellen Ausmaßes der Schäden ab. So wurden am Heyerstrang, einem ansonsten stillen Seitenarm der Ruhr, das Stadtbad und das Gymnasium überschwemmt. Hier zerstörte das eingedrungene Hochwasser die Sicherheits- und Heiztechnik. Im Rahmen der nun anstehenden Sanierungsarbeiten muss auch mit einer Schadstoffsanierung gerechnet werden. Der Schaden wird daher mit etwa einer Million Euro beziffert.

Blitzschnell geflutet

Das Hallenbad gehört ebenfalls der Stadt und wird für sie vom Werdener Turnerbund betrieben. Dessen Vorsitzende Brigitte Schmitt betonte, dass ihr die vielen helfenden Hände Mut machen: „Wir sind glücklich darüber, dass wir hier so ein tolles Team haben, welches sofort tatkräftig mit angepackt hat.“ Das Erdgeschoss des 50 Jahre alten Stadtbades sei blitzschnell geflutet gewesen, berichtete Susanne Weppelmann: „Am Haupteingang sprudelte Grundwasser aus dem Gully und durch die Hintertür drang das Ruhrwasser ein.“ Sofort wurde der tiefer gelegene Kraftraum evakuiert, für die Geräte gab es aber keine Rettung: „Das Wasser hat der Elektronik geschadet.“ Die Aktenordner der Geschäftsstelle konnten noch soeben in Sicherheit gebracht werden.
Dann war Aufräumen angesagt und ein Trupp freiwilliger Helfer geradezu entsetzt über die Schäden, die von den Wassermassen verursacht wurden. Mit Sorge blickte man auf die genau diese Haustechnik, die fast einen Meter unter Wasser gestanden hatte. Was ist mit dem im Lockdown neu eingebauten Heizbrenner? Was mit Schaltschrank, mit Lüftungs- und Chloranlage, mit dem Notstrom? Droht hier eventuell der Totalschaden? Schwimmmeister Jörg Ladage zuckte mit den Schultern: „Das ist teils 50 Jahre alte Technik. Wer übernimmt die Gewährleistung? Wir müssen erst einmal abwarten, was der Gutachter sagt.“ Man schätzt die Schadenshöhe auf rund 500.000 Euro.

Immenser Verlust

Die historischen Tore der Schleuse Neukirchen wurden zerstört. Ein immenser Verlust für das geschichtsbewusste Werden. Am Ruhrufer fand sich auch der Biergarten von Mali Sirin. Nur einen seiner drei Bierwagen konnte ein Bauer in letzter Minute mit dem Traktor retten, die anderen wurden von den Fluten weggerissen, wie auch die Biertisch-Garnituren. Die Flut hinterließ verschlammte und vermüllte Wege, abgerissene Bänke und verbogene Papierkörbe.
Vom Hochwasser betroffen waren auch die Brehminsel und das Löwental, zum Beispiel wurden auf den Spielplätzen viele Geräte zerstört. Bisher wird der Schaden auf 1,4 Millionen Euro geschätzt. Verschont wurden noch so gerade eben die Fußball- und Leichtathletik-Anlagen sowie die Beachvolleyballfelder. Direkt gegenüber am anderen Ufer der Ruhr spielten sich dramatische Szenen ab. An der Laupendahler Landstraße waren einige Häuser komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Freiwillige Feuerwehr und DLRG rückten mit Schlauchbooten an, um die Bewohner zu evakuieren. Einige wurden in Hotels untergebracht, andere konnten bei der Familie oder Freunden Unterschlupf finden.

Lob an die Helfer

Henrike Galla war herbei geeilt, weil sie sich Sorgen machte um ihre Mutter: „Wahnsinn. Ein grausiges Bild. Man konnte zusehen, wie der Pegel stieg. Aber es waren so viele nette Menschen im Einsatz. Die Feuerwehr war grandios, die Polizisten waren umsichtige Helfer, alle haben einen Superjob gemacht.“
Auch Thorsten Gerigk lobte die Einsatzkräfte. Doch niemand habe ihn und seine Nachbarn gewarnt vor diesen Ausmaßen: „Der Katastrophenschutz war unter aller Kanone. Wir haben keine Vorwarnung bekommen und nicht jeder hat die Nina-Warn-App installiert. Es gab keine Sirene und Radio Essen brachte auch keinen entscheidenden Hinweis.“
Das Haus völlig verwaist zu lassen, kam vielen Bewohnern doch recht merkwürdig vor, sagte Thorsten Gerigk: „Wir hatten ein mulmiges Gefühl.“ Und wirklich tummelten sich recht bald dunkle Gestalten auf dem Hinterhof und suchten nach Verwertbarem, fledderten die aus Kellern und Tiefgaragen herausgeholten und an der Straße aufgetürmten Dinge, die sehr viel Müll, aber eben auch noch Brauchbares enthielten. Die Anwohner waren entsetzt ob solcher Dreistigkeit und auch verunsichert. Andererseits freuten sie sich über wildfremde Menschen, die tatkräftige Hilfe anboten. Erst fünf Tage nach der großen Flut gab es wieder Strom in den Wohnungen. Derweil ging das große Aufräumen weiter.

Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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